Maria - evangelische Mariologie

AK 16. 10. 25 Thema: „… geboren von der Jungfrau Maria …“ Mariologie – ein evangelisches Thema?

 

 

A. Erste Überlegungen

 

1. Schwierige Personalie, schwierige Geschichte

 

Welche Texte kommen in Frage?

Außer unserem Glaubensbekenntnis … und Lk 1 und Mt 1 die 10 Gebote als Forderungen, die wir gegenüber Gott und Elternhaus sowie gegenüber Mitmenschen (Nächsten) erfüllen sollen, damit wir keine Sünder werden ... (Gibt es noch andere Texte, die eine Ehrenbezeugung gegenüber Maria wie in Lk 1 erkennen lassen?)

 

B. Unsere Arbeitsschritte

 

I. Die Voraussetzungen

 

2. Positionen: römisch-katholisch und evangelisch (lutherisch/reformiert)

3. Typisches Frauenthema?

4. Dogmatisch – empirisch

Inwieweit sind Dogmen oder dogmatische Aussagen an eine empirische Basis gebunden?

Was wäre eine zulässige empirische Aussage über Maria?

Gibt es in der Bibel überhaupt eine ausreichende historisch überprüfbare Basis für die Darstellung und Beschreibung der Maria als Mutter Jesu?

 

II. Problemstellungen

 

5. Worin könnte der Grund liegen, sie zur göttlichen „Jungfrau“ zu erheben? Was für ein Jesusbild drückt sich darin aus, wenn Jesus eine so unnatürlich erhöhte Frau zur Mutter braucht?

Geht es bereits um eine Sündlosigkeit, die nur dogmatisch zu erklären ist?

Was für ein Sündenbegriff liegt hier vor? Damit Jesus sündlos auf die Welt kommen kann, müsse auch seine Mutter bereits sündlos sein …

Gab es Verdächtigungen oder ungünstige Spekulationen über sie? Nicht verheiratet  -  und trotzdem ein Kind?

Also stellt die Vorgeschichte mit dem Engel in Lk 1 (auch in Mt 1) eine Beschwichtigungsszene dar? (hony soi qui mal y pense, ein alter französischer Spruch = „schämen soll sich, wer schlecht darüber denkt“, in dem Fall über Maria)

 

III. Vertiefungen

 

6. Es gibt offenbar einen doppelten Sündenbegriff:

a) Sünde ist nur Tatsünde, wobei auch Worte* dazu gehören können (z. B. Drohungen und Beleidigungen), aber nicht Gedanken, die ja auch innerlich bleiben und eventuell eine Handlung oder eine Rede vorbereiten, aber auch abgeblockt werden können.

* Dabei spielt die Spontaneität in bes. Gesprächssituationen eine große Rolle. So können z. B. im  Streit Haltungen und Empfindungen der Kontrahenten zum Vorschein kommen, die sie im Normalfall viel besser voreinander versteckt hätten. Andererseits kann ein Emotionen freisetzender Streit auch viel zur Klärung und Entspannung der gegenseitigen Beziehungen und zu einer positiven Normalität beitragen.

b) Ganz anders ist die Sünde zu verstehen, wenn wir als Menschen sozusagen von Geburt an als Sünder bezeichnet werden, wie es der Ausdruck „sündiges Fleisch“ behauptet. Das ist dann eine Anlage, für die wir nichts können. Das ist unsere Natur. So sind wir geboren. Dadurch ist noch nichts darüber ausgesagt, ob wir gute oder schlechte Menschen sind. Denn das „Fleisch“ ist eben so. Wenn wir aus diesem Material geschaffen sind, kommt es auf uns an, was wir daraus machen. Denn wir sind dadurch nicht auf ein generell sündiges = schlechtes Verhalten festgelegt. Dann sind wir also unseres eigenen Glückes Schmied… Allerdings muß gegen diese (sündige) Natur angekämpft werden, weil durch sie die Tendenz zu sündigem Handeln begünstigt wird.

c) Die sog. Erbsünde gehört eigentlich dazu, wenn sie auch eine Erweiterung der zweiten Sichtweise darstellt. Denn nur durch sie kann vor allem eigen-verantwortlichen Tun behauptet werden, daß der Mensch von Geburt an und eigentlich schon vorher, nämlich mit der Zeugung und damit letztlich durch die Sexualität selbst zum Sündersein verurteilt ist. Das ist aber eine biologisch abwegige Vorstellung, die bereits eine negative ethisch-moralische Wertung der Sexualität vorausetzt!

d) Eine andere Frage ist, ob damit alle Formen von Sexualität gleich gut sind. Da gibt es in den Kirchen sehr unterschiedliche Auffassungen. Denn wahr ist, daß mit der Sexualität in der Praxis viele Verletzungen bis zu roher Gewalttat verbunden sein können. Deswegen ist die Ehe auch kirchlicherseits oft als der Ort und die Gemeinschaft der „Versittlichung“ der Sexualität verstanden worden…! (Und noch bei meiner Ordination wurde darauf geachtet, daß wir unser zwischenmenschliches Zusammenleben in den erwartbaren Formen organisieren ...)

e) Wenn die Erbsünde also angeboren ist und quasi wie eine Krankheit von den Eltern auf die Kinder übertragen, also „vererbt“ wird, wie wird man sie dann los, damit sie nicht unser ganzes Leben überschatten und verderben kann? Nur durch die Hinwendung zu Gott, der uns von dieser Qual unseres Lebens befreit! Kann man dann aber noch behaupten, daß wie es Gen 1 heißt, die Schöpfung auch des Menschen „gut“ gelungen ist? (Vom Erbsündengedanken aus müßte man sogar jede Form von Sexualität gleich behandeln… )

 

IV.  Mariologie - Schutzwall gegen den Modernismus?

 

7. Maria  -  das unschuldige Mädchen vom Lande?

Wenn man zum Glauben durch Jesus kommen soll und gleich am Anfang liest, daß seine Geburtsumstände weitestgehend unaufgeklärt sind, – könnte das nachdenkliche Menschen vielleicht davon abhalten, sich mit diesem Jesus ernsthaft zu befassen. Seine Geburt im Stall verlangt dem Betrachter doch einiges an Selbstüberwindung ab, besonders wenn man an gebildetere Schichten und nachfragende Hörer denkt. Dann ist es schon besser, man läßt die Geschichte von der armseligen Geburt Jesu ganz weg – wie das Markus tat!

Sicher ist vielen Nichtchristen diese Geschichte seiner Geburt und noch mehr sein elender Tod zum Anstoß geworden, sich nicht weiter mit diesem Mann und seinem Schicksal zu beschäftigen. Und das ist bedauerlich.

Man wollte ja nicht abschrecken! Die, die das Evangelium kennen lernen sollten, waren meistens Menschen, die nicht schreiben und lesen konnten, wie die Hirten, denen diese primitive Szene gar nichts ausmachte. Zumindest in der ersten Zeit, als man in diesem Milieu nach interessierten Zuhörern suchte, konnte man mit dieser etwas anrüchigen Geschichte als Aufhänger viel Aufmerksamkeit gewinnen, die dem zugute kam, was über diesen Jesus im Evangelium sonst noch zu sagen war.

Aber später, wenn man städtisches Publikum und die eher Gebildeten in die Gemeinde Jesu einladen wollte, wenn man also die Menschen, die lesen konnten, wohlwollend (im Sinne einer captatio benevolentiae) dazu einstimmen wollte, diese Botschaft interessiert zur Kenntnis zu nehmen, dann war ein solcher Einstieg von femininer Anmut und Schlichtheit sicher sehr hilfreich und anziehend.

 

8. Mutter Jesu = Gottesmutter?

Schmückt sich nicht jede Mutter gern mit den Meriten ihres Sohnes? Und inwieweit gehen ihre eigenen Meriten über die einer normalen Sterblichen hinaus? Ist die Geburt eines Kindes wie Jesus eine besondere Leistung, wofür sie außergewöhnlich geehrt zu werden verdient?

Und wenn man ihr im himmlischen „Pantheon“ der Christenheit einen höheren Platz zusichern will, ist dazu eine außergewöhnliche Heiligsprechung nötig?

Jahrhunderte lang kam man ohne eine förmliche Dogmatisierung dieser Maria und der mit ihr verbundenen Aspekte aus. Erst 1854 und knapp 100 Jahre später, am 1. Nov. 1950 ­­­­- in zwei Wochen ist also 75jähriges Jubiläum - , wurde in einem dogmatischen Doppelschlag diese ihre definitive Aufwertung nachgeholt, letzteres Dogma mit dem Namen "Assumptio beatae Mariae", „die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“, – kommt sie denn nicht auch so in den Himmel?

 

9. Mariologie als Reinheits- oder Unschuldserklärung der Maria und gleichzeitig das grundlegende Dokument für ihre Ehrenstellung als "Gottes(sohn)mutter" und Patronin der Kirche

(15. 10. 25)

Katholisch -  evangelischer Gegensatz? Ist eine Verständigung möglich?

Die Mariologie kann als Seitentrieb der Christologie verstanden werden, wenn sie richtig dargestellt wird. Das muß allerdings erklärt werden. Denn für evangelische Christen ist Maria bekanntlich kein Bestandteil des Erlösungswerkes Christi. Ihre Mutterschaft ist ein Geschehnis, für das sie eigentlich nichts kann. Normalerweise fällt kein besonderes Licht auf sie, meist steht sie im Schatten ihres Sohnes. 

Katholiken bemühen sich mit Recht um mehr Aufgeschlossenheit ihr gegenüber. Sie ist immerhin die Mutter Jesu. Das darf in ihren Augen nicht unterschlagen werden.* Aber wenn man sie nach ihrer persönlichen Meinung fragt: Ist Maria durch ihr Ja zu dieser biologisch unerklärlichen Schwangerschaft zur Teilhaberin am Erlösungswerk Christi geworden? sind sie oft recht hilflos, jedenfalls gibt es kein eindeutiges Ja. Einige werden Vielleicht sagen, andere eher Nein, wieder andere fragen zurück: Inwiefern?

* Darum fragt es sich, warum Maria seit Vatic. II in die Ekklesiologie abgeschoben worden ist und nicht mehr ein eigenes Kapitel in der dogmatischen Christologie erhält, wo sie hingehört, wenn auch nicht als "Miterlöserin", sondern als erwählte Person! Insofern gehört sie streng genommen in die Erwählungslehre, erwählt um Christi willen.

Wenn der biblische Text historisch-kritisch betrachtet wird, kann man Luk 1, 26ff. wie auch Mt 1, 18ff nur als sekundäre (poetische) Gebilde ansehen, die für eine historische Erörterung unbrauchbar sind. Denn jeder der beiden Evangelisten, vielleicht handelt es sich auch um spätere Redakteure, stellt uns die Ereignisse vor und um die Geburt Jesu je nach ihren Intentionen sehr unterschiedlich dar. Das einzige, was sie verbindet, ist die Armseligkeit der Geburtsumstände, die sie erzählen, bei gleichzeitiger symbolischer Überhöhung des ganzen Geschehens, wobei im einen Fall auf prophetische Verheißungen (Mt 1, 22; 2,15.17.23) und auf die Geschichte des Alten Israel zurückgegangen wird, und im anderen Fall wird sogar der weltpolitische Kontext (Lk 2, 1f.) des Römischen Reiches und seines Kaisers Augustus herangezogen. Damit geben sie die Perspektive vor, die sie bei ihrer Abfassung des Evangeliums leitet und in der sie die weitere Geschichte Jesu gesehen wissen wollen.    

Klärungsversuch -  ist die Jungfräulichkeit Marias theologisch notwendig?

(1) Ohne Maria wäre Jesus natürlich nicht geboren worden. Deshalb gehört sie irgendwie in das göttliche Erlösungswerk hinein. Es wird ja nicht der pure Zufall gewesen sein, daß Gottes Wahl auf sie fiel. Denn mit ihr und dem Kind (in ihrem Bauch) geht eine alte Verheißung in Erfüllung, wie es auch die Verwandtschaftslisten erkennen lassen.

(2) Einerseits ist klar: So wie diese geheimnisvolle Schwangerschaft zustande gekommen ist, nämlich ohne einen Mann, allein durch Gottes Willen, muß sie auf ihre Weise Gottes Erwählte sein. Sollte dieser Umstand die Kirche nicht veranlassen, sie besonders hervorzuheben und zu ehren; und warum nicht sogar mit dem symbolischen Titel einer „Gottesmutter“, auch wenn dieser Titel mißverständlich sein mag? Andererseits müssen wir uns fragen, was von dieser "Leihmutterschaft" rein menschlich zu halten ist. Wenn Maria nur ihren Körper für dieses Kind zur Verfügung stellt, ohne selbst, wie es natürlich wäre, an der Zeugung beteiligt zu sein, dann mag zwar die "göttliche Natur" in Jesus durch sie unverletzt zur Welt gekommen sein, aber für den "Menschen" Jesus scheint doch das Wichtigste zu fehlen, nämlich die Zeugung durch einen menschlichen Vater. Schämte man sich seiner, oder hielt man es für unpassend, daß Jesus wie alle anderen Menschen auf natürliche Weise gezeugt wurde? Die Geburt Jesu durch die "Jungfrau" Maria ist jedenfalls kein hinreichender Beleg für seine natürliche Menschlichkeit. Was später die Zwei-Naturen-Lehre zu leisten versuchte, nämlich die Einheit von  Gott und Mensch in Jesus zu begründen, wird bei dieser Darstellung der Schwangerschaft Mariens entweder noch nicht als Problem erkannt oder bewußt überspielt.

(3) Was können wir an Maria für unseren Glauben gewinnen? Auf jeden Fall die Einbeziehung des weiblichen Elements. Erinnert sei an die jüngste katholische (feministische) Reformbewegung „Maria 2.0“. Die Gefahr ist allerdings die, daß Maria zur Konkurrentin für Jesus wird; daß man sich im Gebet (Maria hilf!)* lieber ihr zuwendet als Jesus. Denn er verkörperte in vorkonziliarer Sicht als der Herr eher das harte und strenge Regiment des Richters in der Kirche, sie dagegen das milde und nachsichtige Element der liebenden Dulderin. Für viele Katholiken vor dem 2. Vatik. Konzil hatte sie als das wahre Bild einer Mutter gegolten, und noch immer beeinflußt sie in aller Welt die Mutterrolle vieler Katholikinnen. Wegen ihres möglichen Einflusses auf Jesus wird sie auch heute noch von vielen (kathol.) Gläubigen angefleht, für sie und ihre Anliegen bei ihrem Sohn ein gutes Wort einzulegen, als ob man sich nicht direkt an ihn wenden könnte. Die Stellung der Frau ist allerdings heute nicht mehr so untertänig auf den Mann ausgerichtet (und das gilt auch für die Nonnen im Kloster!), und deshalb sollte sich auch die Rolle der Maria und damit der Frau in der Kirche nach und nach ändern. Sie wird sich nicht nur ein neues Kleid und eine neue Frisur zulegen, sondern gegenüber der Männerkirche stärker auf Gegenkurs gehen müssen. Umgekehrt sollten Männer nicht ständig als herrschsüchtig und alles bestimmen wollend verleumdet werden. Beide Seiten brauchen einander. Und irgendwann wird darum auch der Pflichtzölibat fallen müssen ...

* Die offizielle Kirche hat sie allerdings inzwischen nur noch als „Postbotin“ für die an sie gerichteten Gebete beschäftigt, die sie an den eigentlichen Adressaten, Jesus, weiterzuleiten hat …

(4) Übrigens bietet auch die Ekklesiologie keine Gewähr, daß die Widersprüche der römischen Mariologie definitiv aufgelöst werden. Denn solange Maria die Kirche repräsentiert, wenn auch nur symbolisch, steht Jesus offenbar unter ihr! Er ist dann nur Mittel zum Zweck für die heilige Kirche und sie die über allem thronende Himmelskönigin! Dieser Gefahr ist sich die Kirche aufs ganze gesehen noch nicht hinreichend bewußt geworden (trotz Vaticanum II), denn in manchen Regionen der Weltkirche gibt es noch immer reichlich extreme Formen des Marienkults  (und das um so mehr, je weniger die Frauen in der Kirche zu sagen haben!), wobei auch Überreste von Mutterkulten auf Maria übertragen wurden.

(5) Eine letzte Frage: Wenn die röm. Kirche aus eigenem Ermessen Jungfrauengeburt sowie Mariae Himmelfahrt bzw. assumptio als Dogma verkündet hat, müssen wir uns als Protestanten dagegen mit allen Mitteln wehren, nur weil es dafür keinen Schriftbeweis gibt? Nein, das müssen wir nicht. Man muß nur auf die zeitgeschichtliche Situation sehen, in der diese Dogmen für notwendig erachtet wurden: Es waren Zeiten des Kampfes der sich schwach fühlenden Kirche einer übermächtigen (atheistischen) Moderne gegenüber. Sie  brauchte nichts so sehr wie Ermutigung  und Trost (ich denke dabei an die Schutzmantel-Madonna). Kirchliche Dogmen darf man ja weniger nach ihrem faktischen Wahrheitswert beurteilen, sondern vor allem nach dem Nutzen für die Kirche und für die Gläubigen.

Wolfgang Massalsky, 25. 10. 25

 

 

Zum heutigen Gespräch: Kritische Gedanken zur katholischen Mariologie

Maria – kein „Leitbild“ der katholischen Frau von heute und andere ketzerische Überlegungen

 

1. Für was für ein Frauenbild (Rolle) steht Maria?

 

2. Maria als Symbol für Reinheit und Unschuld (am besten als Nonne im Kloster): gläubig, katholisch, Dienerin, Dulderin, gegenüber ihrem (?) Mann relativ eigenständig ...

 

3. Mutter und Mutterschaft als Lebensinhalt (darf sie auch Geliebte, sexy, verführerisch, attraktiv, intelligent, berufstätig, erfolgreich sein?)

 

4. Familie = "Kirche" im kleinen? (so sehen es manche Katholiken, Protestanten auch?), heute denkt man bei Familie mehr an die Gesellschaft im kleinen: das Haus mit Vater, Mutter, Kinder, d.i. die Kleinfamilie, früher auf dem Lande gehörte noch das Großeltern-Paar dazu sowie Stall und Tiere (Großfamilie).

 

5. Es gibt sehr verschiedene Motive für Abtreibungen, z. B. besondere Notlagen: Jugendliche oder für Mutterschaft noch nicht ausreichend vorbereitete junge Frauen in Ausbildung usw. Der schlimmste Fall: Vergewaltigung. Es gibt auch andere Standardsituationen: z. B. bei einem kritischen Gesundheitszustand der Mutter oder des zu erwartenden Kindes. Darüber hinaus sollte es keine akzeptablen Gründe für eine Abtreibung geben … zumindest nicht die Bequemlichkeit ... Kann es wirtschaftliche Gründe geben, die dazu zwingen?

Der Kampf der katholischen Bischöfe gegen die Abtreibung mit ihren moralisierenden Methoden dürfte jedoch nicht zielführend sein!

(Seelsorgerlicher Beistand und Beratung ist mir wichtiger gewesen als die Aufforderung zur Fortsetzung einer unwillkommenen Schwangerschaft.)


6. Frauenpriestertum – unmöglich?

a) Jesus hat das „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ nach der biblischen Darstellung nur zu Männern, seinen Jüngern, und nicht zu Frauen gesprochen, die es in seinem engeren Kreis nicht gab. Obwohl er ansonsten viel mit Frauen zu tun hatte. Ist daraus zu schließen, daß er sie auch nicht als seine Jünger haben wollte? Und bildet die Männergemeinschaft gegenüber den Frauen einen exklusiven Verband? Und wenn es so war, daß Jesus keine Frauen in seinen Kreis aufnehmen wollte oder konnte, war dies vielleicht den Zeitumständen und den unterschiedlichen Aufgaben von Mann und Frau in der damaligen Welt geschuldet, die heute so nicht mehr besteht? (Man weiß ja auch, wie schroff Jesus mit seiner eigenen Mutter umging ...) Offenbar waren die Männer keineswegs alle unverheiratet, sie fehlten also in den jeweiligen Familien, wenn sie mit Jesus unterwegs waren. War es in Ordnung, die Arbeit den Frauen zu überlassen, und selber diesem Prediger des Reiches Gottes nachzufolgen? Im übrigen haben sich die Verhältnisse ja heute völlig verändert. Die Kirche ist eine ganz eigene Institution, die mit dem Reich Gottes (RG) nichts zu tun hat. Sie ist das Ergebnis der institutionellen Aufrechterhaltung der Botschaft Jesu, nachdem das RG nicht eingetroffen ist, auf das Jesus gehofft hatte. Dagegen hält die Kirche als die Gemeinschaft der Gläubigen den Geist Jesu am Leben, oft gegen die Interessen der Amtskirche. Diese Glaubenskirche will uns anleiten, auch in Zukunft in seinem Geist zu leben und zu handeln. Das RG wird trotzdem nicht aufgegeben, auch wenn es nicht als unmittelbar bevorstehend verkündet wird.

b) Die Meinung, das Amtspriestertum sei für die Frauen gar nicht interessant, weil sie ein viel höheres Amt innehaben, nämlich das Priestertum „des Herzen“, klingt schön und ist doch verlogen. Maria, die „Himmelskönigin“, die über allem steht, sogar über Priester und Papst, – soll dieser oder ähnliche Ehrentitel ein Trost sein für die fehlende Anerkennung der pastoralen Arbeit von Frauen in der katholischen Kirche? So warten dort die Pastoralassistentinnen  noch immer darauf, daß ihr Amt dem der Priester gleichgestellt wird. Die Arbeit der Frauen in der Kirche bedeutet bis heute vor allem Dienst, während die Männer anordnen und sich wichtig machen und die heilige Kommunion (Abendmahl) mit der Gemeinde feiern, als habe das Jesus so gewollt. So kann aber die Kirche der Zukunft nicht funktionieren! Daß diese Zurücksetzung der Arbeit der Frauen in der Kirche immer noch mit falschen Auslegungen der Bibel gerechtfertigt wird, ist blamabel und hängt damit zusammen, daß die katholische Kirche sich überall dort autorisiert fühlt, ihre Lösungen als endgültig vorzuschreiben, wo es in der Bibel keine eindeutigen und deshalb nur zeitbedingte Lösungen geben kann. Das gilt vor allem für ekklesiologische Entscheidungen beim Aufbau der Kirchenorganisation. Hier ist besonders an die Zusammensetzung der Leitungsorgane („12“ Jünger) oder das mögliche Priestertum der Frau zu denken. Aber auch kontextabhängige Entscheidungen organisatorischer Art (z.B. bezüglich Gottesdienstformen) können ganz gewiß nicht für alle Zeit gültig sein. Und doch scheint oft das Gegenteil der Fall zu sein. Im Zweifelsfall ging man in der römischen Kurienbürokratie lange Zeit nach dem Grundsatz vor: Tradition siegt über die Bibel. Im Prinzip sollte es umgekehrt sein! Doch auch als ehernes Gesetzbuch wird die Bibel mißverstanden! Das zeigt ja die Geschichte der Auslegungen, nämlich wie Rom heute die Bibel auslegt und wie dies im Mittelalter war. Traditionen sind immer zeitbedingt und sollten nicht als ewiggültig dargestellt werden. Jedenfalls gilt das für alle praktischen Fragen, selbst für Fragen der kirchlichen Praxis. Und niemand sollte behaupten, daß sich diese nicht ändern dürfe, wo sich doch der gelebte Glaube ständig ändert. Aber auch der Dogmendschungel, der die richtige Deutung der Bibel sicherstellen soll, ist großenteils wertlos oder veraltet. Die ganze Dogmengeschichte sollte daher einer kritischen Sichtung unterzogen und nicht immer nur mit neuen interpretierenden Dogmen oder Verlautbarungen fortgeschrieben werden. Aber wahrscheinlich sind das utopische Vorstellungen, wenn nicht sogar häretische Forderungen. Es sollte jedenfalls der Kirche zu denken geben, daß in den Staaten, in denen es so etwas wie eine theologisch akzeptierte Aufklärung gab, der Fundamentalismus keine Basis besitzt, dagegen in den Ländern, in denen derartiges nicht stattfand (Italien, Polen, weithin in Südamerika und Afrika) oft nur Kirchenfrömmigkeit ohne theologische Reflexion als Glaube verstanden wird ...

 

7. Was bedeuten die Marien-Feste? Wie werden sie begründet?

Mariae Himmelfahrt, Mariä Heimsuchung

Was für ein Marienbild bieten die Marienlieder?

 

8. Marien-Kirchen oder Marien-Kapellen. Wieviele davon gibt es in Berlin?

 

W. M. 17.12. 25

 

9. Hilfsthese zur Unterstützung des alten (früheren) Frauenmodells (= Frauenschicksal):

a) Die Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin Christa Meves (früher evangelisch, später konvertiert, inzwischen 100 Jahre alt) denkt, daß fehlende Zuwendung vieler (?) Mütter in den ersten Lebensjahren (wegen ihrer Berufstätigkeit) Ursache vieler psychisch gestörter Kinder und junger Erwachsener sei. In ihren Augen sind die Symptome dieser gesellschaftlichen Erkrankung in den negativen Erscheinungen unserer Zeit (80er Jahren) sichtbar. Dazu gehören für sie vor allem Verwahrlosung, Drogensucht, Kriminalität, Bindungsunfähigkeit und Selbstmordgefährdung.

b) Überall fehle es an der liebenden Gegenwart und Verläßlichkeit einer treu-sorgenden Mutter. Darum sei auch das Urvertrauen (von Erikson eingeführter Begriff) zur Mangelware geworden. Und ohne dieses Vertrauen könne man das Leben nicht erfolgreich oder sinnvoll bewältigen. Am wichtigsten dafür sei aber die Beziehung zu Gott.

c) Bei allem, was daran richtig ist, gibt es leider auch viel Fragwürdiges in ihren Darlegungen.

Hier werden leider vielfach Probleme unserer Gesellschaft kurzschlüssig auf fehlendes Urvertrauen und Gottesglauben zurückgeführt.

Der katholischen Kirchenobrigkeit dürften diese Schlußfolgerungen sicher sehr gefallen haben. Während sie protestantische Kritik an der Einseitigkeit ihrer Argumentation offenbar veranlaßte, aus der evangelischen Kirche in die katholische zu wechseln. Eine gewisse Rigidität, wie sie Religiöses und Psychologisches verbindet, spricht sicher auch aus dieser Entscheidung. Aber vielleicht gab es auch andere Motive für diesen Schritt, z. B. ihre Faszination von Johannes Paul II. und seiner Marienfrömmigkeit (?).

W. M. 17.12.25

 

Alternativer Ansatz aus reformierter Ecke (Harmannus Obendiek, Barmen-Gemarke, Faltblatt o.J. ca 1950/1952: Maria, die Mutter und Jüngerin Jesu)

Bibelstellen: Luk 11,27f.; Joh 3,2 (Nikodemus); Mt 19,16 (reicher Jüngling); Lk 1, 45; Lk 1,34; Lk 1, 46-55 (Magnifikat); 1. Petr 2,2; Eph 4,13; 1. Mos 3,15; Off 12,1ff.; Hes 44,1ff.; Lk 2,50; Joh 2,4; Mk 3,31-35; 1 Kor 2,4; Apg 9,16; Joh 19,26f.; Lk 2,35; Apg 1,14;

General-These: Unser Heil ist bei Gott ... und nirgendwo sonst. Das ist die Regel, von der es keine Ausnahme gibt. Auch für Maria nicht!

1. Die Marienverehrung entspricht nicht dem Wort und Willen Jesu! Mit der Marienverehrung ist es nichts, denn auch Maria kann nur selig werden, wenn sie Gottes Wort hört und bewahrt.

2. Wenn Maria "selig" gesprochen wird, dann weil sie dem Wort des "Engels" geglaubt hat.

Denn sie hat den Auftrag angenommen, zu dem sie angefragt wurde.

3. Gott allein die Ehre geben, das lehrt das Magnifikat (Lk 1, 46-55). Siehe dazu Luthers Magnificat-Auslegung.

4. Mit Maria die Worte Gottes in unserem Herzen bewegen, die uns über Jesus Christus gesagt werden. An Maria lernen wir,  daß wir Schüler des Wortes Gottes werden, sein und zeitlebens bleiben sollen.

5. Kann man 1. Mos 3, 15 auf Maria beziehen, wie das schon manche Kirchenväter getan haben?

6. Maria, die angebetete Geliebte der Ritter im Mittelalter, "unsere Frau", "Notre Dame".

7. Maria kann nicht einfach über ihren Sohn verfügen, als wäre es "ihr" Kind. Die natürlichen, menschlichen Beziehungen zwischen ihm und ihr sind jetzt sekundär geworden. Denn für Jesus steht Gott an erster Stelle, nicht die Familie oder die Mutter.

8. Der "natürliche" Mensch hat keinen Sinn für die Offenbarung Gottes in Jesus. (1. Kor. 2, 4) Gott im Fleisch, das kann er nicht begreifen. Das ist ihm zu hoch.

9. Es gibt kein Familienidyll für Maria mit Jesus. Sie muß lernen, zu leiden. Nicht erst unter dem Kreuz. Glaube schließt Verzicht, Kreuz, Sterben und Tod ein.

10. Maria, die Mutter Jesu, in der Jüngerschaft, in der Gemeinde des Herrn, das ist das Letzte, was wir über die Maria im NT hören. (Apg 1, 14) Sie gehört somit als Jüngerin zu ihm, nicht als Mutter Jesu. Mutterschaft ist etwas Biologisches, kein Verdienst vor Gott.

W. M. 18.12.25