Buße

Zum Thema Buße (AK 19.3.26)

 

1. Es geht hier nicht um die kirchliche Bußpraxis bei nachgewiesenem Fehlverhalten etwa in einer Mönchsgemeinschaft oder um vergleichbare rituelle Handlungen der Gottesdienstgemeinde an bestimmten Sonntagen oder auf Wunsch eines unter einer konkreten Schuld leidenden Menschen. Normalerweise gehen solchen Bußübungen Schuldbekenntnisse und Reuebekundungen mit der Bitte um Gottes Vergebung voraus. Solche Sondergottesdienste werden meist mit einem Abendmahl abgeschlossen. Das bedeutet, Du bist Gott wieder akzeptabel. Die Gemeinschaft nimmt dich wieder in ihrer Mitte auf. [Im übrigen bleiben wir ja auch als Sünder durch die Taufe Gottes geliebte, wenn auch strauchelnde Kinder … wie man in der Kirchensprache sagen könnte.]

 

2. „Buße“ im ursprünglichen Sinne bedeutet dagegen Umkehr, Gesinnungsänderung. Das griechische Wort dafür lautet metanoia. Und mit diesem Wort lädt Jesus die Juden, aber auch Heiden ein, mit ihm dem kommenden Reich Gottes entgegenzugehen. Eine Umkehrtaufe wie bei Johannes dem Täufer ist nicht einmal nötig. In diesem Sinne verstanden ist Buße also etwas anderes als eine (kirchliche) Strafe, die demjenigen auferlegt wird, der sich eines bestimmten Vergehens gegen die biblischen oder eventuell auch kirchlichen Gebote schuldig gemacht hat.

 

3. Metanoia meint die Umkehr zu Gott, genauer zu seinem „kommenden Reich“, also den ganzen Menschen neu auszurichten, nicht nur eine einzelne Tatsünde (was immer diese gewesen ist) zu bereuen, und die entsprechende Kurskorrektur. Objektiv läßt sich allerdings eine (verborgene) Tatsünde nicht nachweisen, weil das von dem Sündenbewußtsein des jeweiligen Sünders abhängt und seiner Bereitschaft, sie publik zu machen. Es sei denn der Betreffende hat damit jemanden verletzt und dieser hält es ihm (immer wieder) vor, oder man gibt auf andere Weise zu verstehen, daß das Verhältnis nicht mehr in Ordnung ist.

 

4. Wir haben im Alltag keine Instanzen, die das objektiv feststellen können. Es liegt im Ermessen des „Sünders“, was er für Sünde hält und ob er sich dafür bei einer bestimmten Person entschuldigen sollte, wenn er an ihr schuldig geworden ist. Es hängt also von unserer Feinfühligkeit ab, ob wir dies erkennen und zugeben wollen, daß wir „gesündigt“ haben. Ein „Trampel“ wird das meistens nicht erkennen oder gar zugeben...

 

5. Ist es richtiger sein Verhalten zu ändern oder falsche Einstellungen vor Gott zu bekennen und ihn um „Entschuldigung“ zu bitten? Letzteres scheint das Wichtigere zu sein. Aber was ist ein Schuldbekenntnis wert, wenn ihm keine Verhaltensänderung folgt?

 

6. Was ist vor Gott falsch, was ist richtig? Wir haben dazu die Gebote. Heute jedoch müssen wir die Gebote um viele Fälle unseres Alltags erweitern. Denn die Zeiten, da die 10 Gebote reichten, sind lange vorbei. Die heutige Gesellschaft kennt die 10 Gebote vermutlich gar nicht mehr im einzelnen. Kennen wir sie noch? Aber passende Geschichten aus der Bibel sollten uns zu diesem Themenkomplex einfallen. [Was gibt die Geschichte vom Verlorenen Sohn aus Lk 15 (bitte aufschlagen) für unsere Fragestellung her? Inwiefern ist das Evangelium von Jesus Christus trotzdem eine Frohbotschaft? Vgl. Mt 6,1-18]

 

7. Müssen wir im Umgang miteinander nicht deshalb neue „Spielregeln“ einführen? Ein von der Kirche vorgeschriebener Bußkatalog hilft uns heute meist nicht weiter. Wir müssen selber die Probleme benennen, wo wir gescheitert sind oder zu versagen drohen im Umgang miteinander. Wo bleiben wir im Alltag mit seinen Konflikten immer wieder wie eine kaputte Platte an der Nadel stecken? Worüber ärgern wir uns?

 

Stichworte zur Selbstprüfung:

 

a) im persönlichen Miteinander:

- Kritik verkraften lernen, Kritik an anderen nicht übertreiben

- Selbstannahme lernen, sich selbst etwas verzeihen können

- Sachzwänge, Rücksichtnahmen einkalkulieren ...

- Sich entschuldigen können, wo es angebracht ist; behutsam mit Menschen umgehen ...

 

- was fällt mir sonst noch ein ?

- ...

- ...

 

b) im kirchlichen Binnenraum:

- ecclesia semper reformanda (Kirche ist immer zu reformieren, ohne die Kirche nach meinem gusto verwandeln zu wollen)

- sich im Glauben weiterentwickeln …

- Gottesdienste nicht nur abnicken …

- Glauben vorspiegeln, wo keiner ist ...

- gemeinsames Ringen um die Wahrheit des Glaubens

 

c) im politischen Raum / was gehen uns politische Fragen an?

- sich politisch einbringen, - erlaubt?  Kein Thema für mich?

- Mißstände in der Kirche ansprechen: z. B. sexueller Mißbrauch von Kindern oder Jugendlichen, die Amtskirche mit ihren Fehlern, vor allem wenn man an unseren Kirchenkreis mit seiner (früher sehr) einseitigen Pfarrstellenpolitik denkt! ...

- Das Verhältnis zur sog. 3. Welt: Angesichts von Kolonialismus und Ausbeutung der früher sogenannten Dritten Welt durch die erste, sehen wir dort heute Strukturen der Selbstausbeutung sich etablieren, oft noch schlimmer als früher. An dem Verhältnis der Schwachen gegenüber den Mächtigen hat sich eigentlich nichts geändert. Oft bleibt nur hilfloser Protest übrig. In dieser Situation kann "Mission" nur heißen, bespielhaft neue Wege aufzuzeigen, wie eine gute Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen möglich ist. 

 

W.M.